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Juli 2020 - Coaching Inspiration 2 - Sarananda
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Juli 2020

 

Coaching Inspiration 2

 

Namasté!

 

„WENN…, DANN…“

 

Meistens erhalten wir Lob und Anerkennung von unseren Mitmenschen, wenn uns etwas richtig gut gelungen ist oder wir ihre Erwartungen erfüllen:
„Danke, dass du das für mich tust! Du bist ein Schatz!“
Und was ist, wenn ich’s nicht tue?!
Bin ich für dich dann trotzdem noch ein Schatz?!
Und empfinde ich mich selbst dann überhaupt noch als Schatz?!

Sei es im Berufsleben, im familiären Umfeld, in Partnerschaften oder Freundschaften, oft machen wir die Erfahrung, dass Liebe und Wertschätzung an Bedingungen geknüpft ist:
„Wenn du dich so verhältst, dann hab‘ ich dich lieb!“
Und als ob das noch nicht genug wäre, sind wir oftmals selbst diejenigen, die die größten Erwartungen an uns stellen und uns nur dann lieben, wenn wir so oder so sind & erst diesen oder jenen Fehler ausgebügelt haben.
Da gibt’s meist am wenigsten Erbarmen!

Auch ich habe meine Selbst-Liebe oft an Bedingungen geknüpft und durch Selbstoptimierung ständig in die Zukunft verschoben.
Gereicht hat es dann doch irgendwie nie…
Für mich bedeutet Selbstliebe, bedingungslose Liebe sich selbst gegenüber.
Natürlich fällt es uns meist leichter, unsere Schokoladenseite zu schätzen. Doch wenn es um Selbstliebe geht, gehören auch unsere Ecken und Kanten dazu, denn diese machen uns erst so richtig rund! 😉

In dieser Woche möchte ich dich einladen, dem wichtigsten Menschen in deinem Leben in seiner vollkommenen Unvollkommenheit mehr Wertschätzung und Achtung entgegen zu bringen.
Und wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?
Den Menschen, den du jeden Tag im Spiegel siehst und morgens im Badezimmer „fertig“ machst!
Wenn wir es schon ein Leben lang mit uns selbst „aushalten“ müssen, dann lass uns wenigstens dafür sorgen, dass wir eine liebevolle Beziehung zu uns selbst hegen und pflegen!

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch eine sehr kraftvolle Geschichte aus dem Buch „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn BRAHM mit dir teilen, denn sie verbildlicht noch mal sehr deutlich die heutige Botschaft.
Es ist eine etwas längere Geschichte, aber vielleicht magst du dir ja diese paar Minuten noch nehmen:

Zwei mangelhafte Backsteine:

Nachdem wir 1983 Land für unser Kloster gekauft hatten, waren wir völlig pleite und steckten bis zum Hals in Schulden. Auf dem Grundstück selbst stand kein einziges Haus, nicht einmal ein Schuppen. In jenen ersten Wochen schliefen wir auf alten Türen, die wir billig auf dem Schuttabladeplatz erstanden hatten.

Mit unterlegten Backsteinen wurden diese Türen zu Betten, wobei wir als Mönche eines Waldklosters natürlich auf Matratzen verzichteten.

Der Abt schlief auf der Tür, die am besten erhalten war und über eine angenehm glatte Oberfläche verfügte. Meine hingegen war geriffelt und wies überdies noch ein beachtliches Loch in der Mitte auf, nämlich an jener Stelle, wo einst der Türknauf gesessen hatte. Ich war zwar froh, dass der Knauf überhaupt entfernt worden war, aber nun befand sich mitten auf meiner Schlafunterlage ein Loch. Ich machte Witze darüber, dass ich nicht einmal mehr zum Austreten würde aufstehen müssen, aber zum Lachen war mir eigentlich nicht zumute, denn kalter Wind pfiff nachts durch dieses Loch. In jener Zeit schlief ich sehr schlecht.

Wir waren arme Mönche, aber wir brauchten ein Dach über dem Kopf. Bauarbeiter konnten wir uns nicht leisten – schon die Kosten für das Material waren ja kaum aufzubringen! Also musste ich das Bauen von Grund auf erlernen: wie man ein Fundament legt, betoniert, mauert, ein Dach zimmert und sanitäre Einrichtungen einbaut, eben alles, was zum Bau gehört.

Mein bürgerliches Leben als Physiker und Lehrer hatte mich nicht darauf vorbereitet, mit den Händen zu arbeiten. Doch im Verlauf einiger weniger Jahre wurde ich zu einem recht geschickten Bauarbeiter und nannte mein Team schon bald BBC (Buddhistische Bau Company). Der Anfang war allerdings außerordentlich mühsam.

Dem Außenstehenden mag Maurerarbeit leicht erscheinen: Man pappt etwas Mörtel auf den Stein, setzt ihn an seine Stelle und klopft ihn ein bisschen fest. Wenn ich aber leicht auf eine Ecke schlug, um eine ebene Oberfläche zu erhalten, stieg eine andere Ecke nach oben. Kaum hatte ich diese auch festgeklopft, tanzte auf einmal der andere Stein aus der Reihe. Behutsam brachte ich ihn also wieder in die richtige Position, um gleich danach festzustellen, dass die erste Ecke schon wieder hochragte. Es war zum verzweifeln. Wenn Sie mir nicht glauben, versuchen Sie’s doch selbst einmal!

Als Mönch verfügte ich über so viel Geduld und Zeit, wie ich brauchte. Ich gab mir also große Mühe, jeden Backstein perfekt einzupassen, ganz gleich, wie viel Zeit ich dafür benötigte. Und irgendwann war die erste Backsteinmauer meines Lebens fertig gestellt. Voller Stolz trat ich einen Schritt zurück, um mein Werk zu begutachten. Erst da fiel mir auf – das durfte doch nicht wahr sein! –, dass zwei Backsteine das Regelmaß störten. Alle anderen Steine waren ordentlich zusammengesetzt worden, aber diese zwei saßen ganz schief in der Mauer. Ein grauenvoller Anblick! Zwei Steine hatten mir die ganze Mauer versaut.

Der Zementmörtel war inzwischen fest geworden. Also konnte ich diese Steine nicht einfach herausziehen und ersetzen. Ich ging zu meinem Abt und fragte, ob ich die Mauer niederreißen oder in die Luft jagen und neu anfangen dürfte.

„Nein“, erwiderte der Abt, „die Mauer bleibt so stehen wie sie ist“.

Als ich die ersten Besucher durch unser neues Kloster führte, vermied ich es stets, mit ihnen an dieser Mauer vorbeizugehen. Ich hasste den Gedanken, dass jemand dieses Stümperwerk sehen könnte. Etwa drei oder vier Monate später wanderte ich mit einem Gast über unser Terrain. Plötzlich fiel sein Blick auf meine Schandmauer.

„Das ist aber eine schöne Mauer“, bemerkte er wie nebenbei.

„Sir“, erwiderte ich überrascht, „haben sie etwa Ihre Brille im Auto vergessen? Oder einen Sehfehler? Fallen Ihnen denn die zwei schief eingesetzten Backsteine nicht auf, die die ganze Mauer verschandeln?“

Seine nächsten Worte veränderten meine Einstellung zur Mauer, zu mir und zu vielen Aspekten des Lebens.

„Ja“, sagte er. „Ich sehe die beiden mangelhaft ausgerichteten Backsteine. Aber ich sehe auch 998 gut eingesetzte Steine.“

Ich war überwältigt. Zum ersten Mal seit drei Monaten sah ich neben den beiden mangelhaften Steinen auch andere Backsteine. Oberhalb und unterhalb der schiefen Steine, zu ihrer Linken und zu ihrer Rechten befanden sich perfekte Steine, ganz gerade eingesetzt. Ihre Zahl überwog die der schlechten Steine bei weitem.

Bis dahin hatte ich mich ausschließlich auf meine beiden Fehler konzentriert und war allem anderen gegenüber blind gewesen. Deshalb konnte ich den Anblick der Mauer nicht ertragen und wollte ihn anderen Menschen auch nicht zumuten. Deshalb hatte ich das Werk vernichten wollen. Doch als ich jetzt die ordentlichen Backsteine betrachtete, schien die Mauer überhaupt nicht mehr grauenvoll auszusehen. Der Besucher hatte schon recht: Es war wirklich eine sehr schöne Mauer. Jetzt, zwanzig Jahre später, steht sie immer noch, und inzwischen habe ich längst vergessen, an welcher Stelle die mangelhaften Backsteine stecken. Ich kann sie mittlerweile tatsächlich nicht mehr sehen.

Viele Menschen beenden eine Beziehung oder reichen die Scheidung ein, weil sie bei ihrem Partner nichts anderes mehr sehen als „zwei mangelhafte Steine“. Viele leiden an Depressionen, und manche hegen sogar Selbstmordgedanken, weil sie nichts anderes als „zwei mangelhafte Steine“ in sich erkennen können. In Wahrheit gibt es jede Menge guter Steine, perfekte Steine – oberhalb und unterhalb unserer Fehler, zu ihrer Linken und zu ihrer Rechten – aber manchmal können wir sie einfach nicht sehen. Stattdessen konzentriert sich unser Blick ausschließlich auf die Fehler. Wir schauen nur auf den Makel und überlegen, wie wir ihn entfernen können. Und leider vernichten wir auf diese Weise so manche „schöne Mauer“.

Jeder von uns hat zwei mangelhafte Steine, aber die perfekten Steine sind so viel zahlreicher. Haben wir dies erst einmal erkannt, sieht die Welt schon viel besser aus. Wir können dann nicht nur mit uns selbst und unseren Fehlern in Frieden leben, sondern auch das Zusammensein mit einem Partner genießen. Das ist eine schlechte Nachricht für Scheidungsanwälte, aber eine gute für Sie!“

 In diesem Sinne:
Es ist schön, dass es dich gibt – inklusive den schiefen Backsteinen! 😉

 

News aus Sarananda’s Welt…

 

Am Sonntag, dem 19.07.2020 darf ich im „Oh Happy Café“ München das Inspiration’s Frühstück zum Thema: „Unsere Sichtweise entscheidet über unsere Zufriedenheit“ musikalisch begleiten – wenn das nicht mal wieder zum Thema passt! 😉

Mehr Infos dazu findest du unter folgendem Link:

https://www.ohhappycafe.de/veranstaltungen/

Oh Happy Day!

 

Herz auf, Licht an!
Deine Sarananda

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